Einladung zum ersten HörKino „Der Tunnel“

HörKino: „Der Tunnel – Die Geschichte einer Flucht“
Feature von Klaus Ihlau, Produktion: SFB:ORB 1999

Sind die Stuttgart-21-Gegner doch stets dafür „oben zu bleiben“, laden die Berliner Schwabenstreichler am Mittwoch, 25. Mai 2011 zum HörKino „ganz unten“ in die Kellergalerie des Coop-Cafés ein. Und als ob das noch nicht genug Widerspruch wäre, geht es in dem ersten HörKino auch noch um einen Tunnelbau.

„Der Tunnel – Geschichte einer Flucht“ heißt das Feature von Klaus Ihlau: 60 Minuten Hörgenuss, lebendige Geschichte um Mauerbau, Flucht, Solidarität und Mut. Das preisgekrönte Feature des Hörfunk-Journalisten schildert den Bau des Tunnels, der im Oktober 1964 von der Westberliner Seite der Bernauer Straße aus gegraben wurde. 57 DDR-Bürger konnten fliehen, ein Grenzsoldat starb.
Zum Inhalt:

Nach dem Bau der Mauer in Berlin gab es verzweifelte Versuche den totalitären Staat DDR zu verlassen. Einige, die es geschafft hatten, versuchten auf spektakuläre Weise Angehörige und Freude nachzuholen. Eine dieser Möglichkeiten war einen Tunnel zu bauen.
Als erfolgreichster gilt der im Oktober 1964 fertiggestellte Tunnel 57.
Im Block zwischen der Strelitzer und der Hussitenstraße, neben der Versöhnungskirche, bauten etwa 30 Studenten und ihre Freunde einen insgesamt 145 Meter langen Tunnel. Organisator war der Schauspieler Wolfgang Fuchs. Es arbeitete unter anderem auch Reinhard Furrer mit, der später als deutscher Astronaut bekannt wurde (er starb 1996 bei einem Flugzeugabsturz in Berlin). Die Arbeiten begannen im April 1964.
Die 30 Studenten gingen ohne großen Argwohn untereinander ans Werk. Prinzip der privaten Fluchthilfe: ‚ alle für einen , einer für alle‘. Jeder hatte eine Person aus seinem privatem Umfeld, die er holen wollte, dies gab den Boden für den inneren Zusammenhalt der Gruppe gegen den Verrat. Einer der Gesprächspartner von Klaus Ihlau wollte seine Mutter, ein anderer seine Freundin holen.
Ausgangspunkt war eine durch den Mauerbau pleitegegangene Bäckerei in der Bernauer Straße 97. Zunächst wurde aus dem Keller der Bäckerei in 14 Meter die Tiefe gegraben, um ohne abzustützen schräg nach oben von dort aus weiterzugraben. Endpunkt sollte ein Keller im Haus Strelitzer Straße 55 sein, man kam aber statt dessen in einem nicht mehr benutzten Toilettenhäuschen im Hof des Hauses 55 heraus. Ein Glücksfall, da so die vorzeitige Entdeckung des Tunnels verhindert wurde.
Der Tunnel war 60 – 70 cm briet , bei einer Höhe von 70 – 80 cm.
Mehr als 80 Kubikmeter mussten unbemerkt abtransportiert, die zum Bau notwendigen Werkzeuge, Behälter und Materialien herangeschafft werden. Der Abraum wurde zum Teil in den Kellerräumen gelagert. Die jeweilige „Grabemannschaft“ lebte 14 Tage im Tunnel und im Keller um die Entdeckungswahrscheinlichkeit gering zu halten. Hier wurde gegessen, geschlafen und alles andere verrichtet. Beleuchtet wurde der Tunnel mit Hilfe von Grubenlampen. Ein Wagen mit Gummirädern diente zum Transport des Sandes. Am Ende des Ganges wurde er mit einem Flaschenzug hochgezogen.
Kuriere benachrichtigten die in Frage kommenden Personen in Ostberlin kurzfristig. Als Losungswort wurde „Tokio“ (es war das Jahr der Olympischen Spiele) vereinbart. Beim Erreichen der Strelitzer 55 hieß es dann für alle Beteiligten in den Hausflur gehen, Losung sagen, Schuhe ausziehen, leise über den Hof in das Toilettenhäuschen und dann in den Schacht und kriechen …kriechen. Am ersten Tag kamen die „VIPS“, die persönlichen Angehörigen. Alle 10 Minuten kamen die nächsten, solange dauerte es im Schnitt durch den Tunnel zu kriechen.
Allerdings lief bald nichts mehr wie verabredet. Die Fluchtwilligen kannten das Codewort nicht, Paare gingen nicht einzeln, sondern blieben aneinander geklammert auf dem Weg zum Tunneleingang.
Am 3. Oktober, der ersten Nacht waren 28 durchgekommen.
Am 4. Oktober machte sich die ‚Empfangstruppe‘ – 4 Leute – erneut auf dem Weg zum Einstieg in die Strelitzer 55. Ein Posten an der Signallampe auf dem Dach eines Hauses in der Bernauer Straße meldete alle ruhig.
Um 0.07 Warnmeldung vom Ausguck über den Umweg Grubentelefon Keller, Tunnel, Einstieg: alles sofort zurück, wir sind entdeckt.
Schüsse. Maschinenpistolengarben. Einer der vier gab aus seiner Pistole Schüsse in Richtung der MP – Schützen ab. Von mindesten einem Schuss wurde der Grenzpolizist Egon Schulz getroffen. In DDR – Zeitungen war zu lesen: Provokateure aus dem Westen morden die Staatsorgane“ …“ durch gezielte Schüsse.“

Was wirklich damals geschah und wie die Beteiligten heute fühlen wird im Feature erzählt. 35 Jahre dauerte es, um endlich die wahren Zusammenhänge aufzuklären und die Schuldigen am Verrat des Projektes zu ermitteln.

„Seit einer ganzen Weile lädt der Berliner Schwabenstreich zu einem Kreativ -und Kulturstammtisch ein. Zu diesem Kreis zählt auch Klaus Ihlau, der mit seiner Lebenserfahrung gerade für die Jüngeren lebendige Geschichte der Friedensbewegung Ost und deutsch-deutschen Geschichte ist. Edda Dietrich: „Daher freuen wir uns, das Klaus Ihlau diesen Abend mit uns gestaltet und wir gemeinsam mit ihm in die Geschichte des Mauerbaus abtauchen können. Freundinnen und Freunde des Hörens sind herzlich eingeladen, diesen Hörgenuss mit uns zu teilen.“

Das Hörkino beginnt um 20 Uhr
Die Kellergalerie befindet sich im Coop-Café in der Rochstraße 3, Nähe Hackesche Märkte. Der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten. Wer mag, bringt ein Kissen oder seine Isomatte mit.

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2 Antworten zu “Einladung zum ersten HörKino „Der Tunnel“

  1. Was hat das Projekt S21 mit der Grenze zwischen den zwei Systemen zu tun?
    K21 Befürworter wehren sich gegen eine einseitige Betrachtungsweise und Berichterstattung des Bahnhofprojektes bzw. die Verfahrensweise wie mit ihnen umgegangen wird und hier wird eine einseitig dargestellte Geschichte so angepriesen?!
    Vielleicht solltet Ihr Euch fairness halber auch noch jemanden einladen der das aus der Sicht der Grenzer erzählen kann!
    Gruß Tom

  2. Hallo, die Geschichte ist mir bekannt. Das es das auch zum hören gibt wusste ich noch nicht. Es gab auch mal eine Verfilmung diese fand ich aber nicht so gut. LG Schneemann

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